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Kernbohrung in tragenden Bauteilen: Was muss vorher geklärt werden?

Autorenbild: Daniel Wallraffen
Daniel Wallraffen
vor 3 Stunden
5 Min. Lesezeit

Eine Kernbohrung wirkt auf den ersten Blick wie ein reines Ausführungsthema, klares Loch, richtiger Durchmesser, fertig. Sobald aber ein tragendes Bauteil betroffen ist, kommt vor dem Bohren eine Frage, die niemand überspringen sollte: Was passiert mit der Tragfähigkeit der Wand oder Decke, wenn dort ein Loch entsteht?


Das Wichtigste in Kürze

•      Bei Kernbohrungen in tragenden Bauteilen wie Stahlbetonwänden oder Decken ist vorab eine Freigabe durch den Tragwerksplaner oder Statiker üblich, damit die Tragfähigkeit nicht beeinträchtigt wird.

•      Vor der Bohrung wird die Bewehrung im Bauteil geortet, um Stahleinlagen möglichst nicht zu beschädigen.

•      Kernbohrungen kommen mit diamantbesetzten Bohrkronen erschütterungsarm und präzise durch Beton, Stahlbeton, Mauerwerk und Naturstein.

•      Überkopfbohrungen sind bis zu einem Durchmesser von 320 Millimetern möglich, Schrägbohrungen bis zu einem Winkel von 45 Grad.

•      Führt eine Kernbohrung durch eine Brandwand oder ein feuerwiderstandsfähiges Bauteil, muss der Durchbruch anschließend normgerecht abgeschottet werden.



Warum braucht eine Kernbohrung in tragenden Bauteilen eine statische Freigabe?

Jedes tragende Bauteil, ob Wand, Decke oder Stütze, ist auf eine bestimmte Lastverteilung ausgelegt, bei der die vorhandene Bewehrung und der Betonquerschnitt zusammenwirken. Wird an einer ungünstigen Stelle gebohrt, kann das die Tragfähigkeit des Bauteils schwächen, insbesondere wenn Bewehrungsstäbe durchtrennt werden oder die Bohrung zu nah an einer statisch relevanten Zone liegt. Deshalb ist es in der Baupraxis üblich und bei tragenden Bauteilen sinnvoll, vor einer Kernbohrung die Freigabe durch den Tragwerksplaner oder Statiker einzuholen.

In der Praxis bedeutet das: Der Statiker prüft anhand der Baupläne oder einer Bestandsaufnahme, an welcher Stelle und mit welchem Durchmesser gebohrt werden darf, ohne dass zusätzliche Verstärkungsmaßnahmen nötig werden. Bei bestehenden Gebäuden, deren Bewehrungsplan nicht mehr vollständig vorliegt, wird die tatsächliche Bewehrung häufig vor Ort mit einem Ortungsgerät lokalisiert, damit die Bohrung gezielt zwischen den Stahleinlagen platziert werden kann.



Wie läuft eine Kernbohrung technisch ab?

Eine Kernbohrung erfolgt mit diamantbesetzten Bohrkronen, die sich rotierend durch Beton, Stahlbeton, Mauerwerk oder Naturstein arbeiten und dabei einen zylindrischen Bohrkern aus dem Material herauslösen. Das Verfahren gilt als präzise und im Vergleich zu schlagenden Verfahren als erschütterungsarm, was besonders in sensiblen Bereichen wie bewohnten Gebäuden oder in Betrieb befindlichen Produktionshallen von Vorteil ist.

Zur Kühlung der Bohrkrone und zur Staubbindung wird in der Regel mit Nasskühlung gearbeitet, bei der Wasser zugeführt und der entstehende Bohrschlamm direkt abgesaugt wird. Das reduziert die Staubbelastung am Arbeitsplatz erheblich im Vergleich zu trockenen Bohrverfahren. Neben senkrechten Standardbohrungen sind auch anspruchsvollere Ausführungen möglich: Überkopfbohrungen bis zu einem Durchmesser von 320 Millimetern und Schrägbohrungen bis zu einem Winkel von 45 Grad, etwa wenn eine Leitung nicht rechtwinklig durch ein Bauteil geführt werden kann.

Bohrsituation

Ausführung

Standardbohrung senkrecht

Diamantbohrkrone, Nasskühlung, Durchmesser nach Normdurchmesser der Leitung

Überkopfbohrung

Möglich bis 320 mm Durchmesser

Schrägbohrung

Möglich bis 45 Grad Winkel

Prüfkernbohrung

Zur Materialanalyse, z. B. Betongüte oder Bauteilaufbau

 


Wofür werden Kernbohrungen im Gewerbe und in der Industrie eingesetzt?

Kernbohrungen sind überall dort gefragt, wo eine Leitung, ein Kabel oder ein Anschluss nachträglich durch ein bestehendes Bauteil geführt werden muss, ohne die umliegende Struktur größer aufzureißen. Typische Anwendungsfälle sind Leitungsdurchführungen für Strom, Wasser, Heizung und Lüftung, Dunstabzüge und Kaminanschlüsse, Klima- und Lüftungsanlagen, Elektro-Bodentanks in Normdurchmessern sowie nachträgliche Rohrdurchführungen im Gebäudebestand. Auch Prüfkernbohrungen zur Materialanalyse, etwa um die tatsächliche Betongüte oder den Bauteilaufbau zu bestimmen, gehören zum Einsatzspektrum.

Gerade bei Sanierungen und Umbauten im laufenden Betrieb ist die erschütterungsarme, staubreduzierte Ausführung ein praktischer Vorteil, weil benachbarte Räume oder Produktionsbereiche währenddessen weiterarbeiten können. Die Normdurchmesser, etwa bei Bodentanks für elektrische Installationen, erleichtern zudem die spätere Montage von Standardkomponenten, ohne dass zusätzliche Anpassungsarbeiten nötig werden.

Bei der Terminplanung lohnt es sich, Kernbohrungen nicht isoliert zu betrachten, sondern als einen Schritt innerhalb eines größeren Bauablaufs. Wird beispielsweise eine neue Lüftungsleitung durch mehrere Geschossdecken geführt, müssen die Bohrpositionen auf allen Ebenen zueinander passen, damit die Leitung anschließend ohne zusätzliche Umlenkungen verlegt werden kann. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Planer, Statiker und ausführendem Betrieb erspart in solchen Fällen nachträgliche Korrekturen, die im Bestand deutlich aufwendiger sind als im Neubau.


Sie planen eine Leitungsdurchführung im Bestand? Fordern Sie ein Angebot für die Kernbohrung an.



Was passiert nach der Kernbohrung an brandschutzrelevanten Bauteilen?

Führt eine Kernbohrung durch eine Brandwand oder ein anderes feuerwiderstandsfähiges Bauteil, entsteht dort zunächst ein offener Durchbruch, der die Feuerwiderstandsfähigkeit des Bauteils unterbricht. Dieser Durchbruch muss im Anschluss normgerecht abgeschottet werden, damit sich im Brandfall kein Feuer und kein Rauch über diese Stelle in den nächsten Brandabschnitt ausbreiten kann.

Diese Abschottung sollte idealerweise bereits bei der Planung der Kernbohrung mitgedacht werden, insbesondere wenn Durchmesser, Rohrmaterial und die zulässige Bauartgenehmigung für die spätere Abschottung aufeinander abgestimmt sein müssen. Die Abschottung übernimmt bei W&S der Bereich Brandschutz und Abschottungen, die zugehörigen Normen erklärt unser Ratgeber zur Rohr- und Kabelabschottung. Wer Kernbohrung und Abschottung aus einer Hand plant, vermeidet, dass am Ende ein Durchbruch offen bleibt, weil die Zuständigkeit zwischen zwei Gewerken unklar war.

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass eine Kernbohrung im Bestand ausgeführt wird, ohne dass zunächst klar ist, ob die betroffene Wand überhaupt brandschutzrelevant ist. Ein Blick in die vorhandenen Bauunterlagen oder ein bestehendes Brandschutzkonzept schafft hier meist schnell Klarheit. Fehlen solche Unterlagen, etwa bei älteren Gebäuden ohne durchgängige Dokumentation, empfiehlt sich eine kurze Rücksprache mit einem Brandschutzfachmann, bevor die Bohrung ausgeführt wird. So lässt sich vermeiden, dass ein Durchbruch nachträglich noch einmal geöffnet werden muss, nur um eine zunächst übersehene Abschottungspflicht zu erfüllen.


Rufen Sie uns unter 02166 678815 an, wenn Ihre Kernbohrung eine brandschutzrelevante Wand oder Decke betrifft.



Worauf sollten Sie bei der Auswahl eines Fachbetriebs für Kernbohrungen achten?

Ein erfahrener Fachbetrieb klärt vor Beginn der Arbeiten, ob eine statische Freigabe erforderlich ist, ortet die Bewehrung im Bauteil und legt Durchmesser und Position der Bohrung entsprechend fest. Ebenso wichtig ist die Frage, ob nach der Bohrung eine Abschottung nötig wird, und ob der Betrieb diese direkt mit anbietet, statt den Kunden an einen weiteren Dienstleister zu verweisen.

W&S Isolierungen führt Kernbohrungen als Teil eines größeren Leistungsspektrums aus, das auch Brandschutz und Abschottungen umfasst. Als Meisterbetrieb mit eigener Werkstatt und rund 80 Fachkräften im Großraum Mönchengladbach und Düsseldorf kann das Unternehmen Kernbohrung und anschließende Abschottung aus einer Planung heraus koordinieren, was gerade bei tragenden und brandschutzrelevanten Bauteilen Abstimmungsaufwand spart.



Häufige Fragen zu Kernbohrungen


Ist bei jeder Kernbohrung eine statische Prüfung nötig?

Bei nicht tragenden Wänden ist der Aufwand in der Regel geringer, bei tragenden Bauteilen wie Stahlbetonwänden oder Decken ist eine Abstimmung mit dem Tragwerksplaner oder Statiker dagegen üblich, um die Tragfähigkeit nicht zu gefährden.


Wie wird verhindert, dass beim Bohren Bewehrungsstahl beschädigt wird?

Vor der Bohrung wird die Bewehrung mit einem Ortungsgerät lokalisiert, sodass die Position der Bohrung gezielt zwischen den Stahleinlagen gewählt werden kann. Vollständig ausschließen lässt sich ein Kontakt mit einzelnen Bewehrungsstäben dabei nicht immer, weshalb die statische Bewertung wichtig bleibt.


Wie groß können Kernbohrungen maximal ausgeführt werden?

Bei Überkopfbohrungen sind Durchmesser bis zu 320 Millimetern möglich. Bei anderen Bohrpositionen richtet sich der maximale Durchmesser nach der eingesetzten Bohrkrone und den baulichen Gegebenheiten vor Ort.


Warum wird bei Kernbohrungen mit Wasser gearbeitet?

Die Nasskühlung kühlt die Diamantbohrkrone und bindet den entstehenden Bohrschlamm, der direkt abgesaugt wird. Das reduziert die Staubbelastung deutlich im Vergleich zu trockenen Bohrverfahren.


Muss ich mich selbst um die Abschottung nach der Kernbohrung kümmern?

Nicht zwingend, wenn der ausführende Betrieb Kernbohrung und Abschottung gemeinsam anbietet. In jedem Fall sollte vorab geklärt sein, wer für die normgerechte Abschottung an brandschutzrelevanten Durchbrüchen zuständig ist.


Sie brauchen eine Kernbohrung mit anschließender Abschottung? Fordern Sie jetzt ein Angebot an oder schreiben Sie an info@wus-isolierungen.de.


Quellen

Für die technischen Angaben zur Ausführung von Kernbohrungen (Bohrverfahren, maximale Durchmesser, Schrägbohrwinkel) wurde ausschließlich das Fact Sheet von W&S Isolierungen als Erfahrungswert des Betriebs herangezogen. Die Aussagen zur statischen Freigabe und Bewehrungsortung entsprechen allgemein anerkannter Baupraxis bei Eingriffen in tragende Bauteile; hierzu wurde bewusst keine spezifische Norm zitiert, da keine dafür passende, öffentlich zugängliche Quelle geprüft werden konnte. Zu den Abschottungsanforderungen siehe die Quellenangaben im Artikel „Rohr- und Kabelabschottung: Was muss an Wanddurchbrüchen beachtet werden?".

 
 
 

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